17.02.2026

Wie lange kann man ein bestimmtes Gefühl, eine Emotion, eine Person oder ein Erlebnis immer und immer wieder durchdenken, durchleben und mit ihm den immer wiederkehrend gleichen Tanz aufführen, bevor man seinen Verstand verliert?

Selbst dann, wenn man glaubt, es überwunden, überstanden gar überlebt zu haben, reicht eine einzige, vertraute Geste, ein bekannter Geruch oder noch so kleiner Gedanke daran, dass eine Lawine der Erinnerungen auslöst wird, die alles wieder neu zu entzünden schien, sodass es einen gänzlich konsumiert!

Nicht nur der selbst Geist wird von all den Erinnerungen verschlungen. Nein, die gesamte Existenz seiner Selbst wird davon eingenommen. Mein Körper scheint die Kontrolle zu übernehmen, die Richtung geändert und nun seine ganz eigene Geschichte zu erzählen, in der ich lediglich Beifahrer bin.

Meine Brust füllt sich mit einer Sehnsucht, deren Drang zu folgen meine Lungen sprengt. Meine Kehle, deren Sprachrohr sonst Meinem Befehl unterliegt, verweigert die Fähigkeit zu sprechen. Unfähig, ein Wort des Widerspruchs zu erteilen, denn sie ist zugeschnürt von dem brennenden Verlangen den Schmerz der Vernunft in die Welt zu schreien.

Unfähig, etwas anderes zu tun, als dem sich eigenständig gemachten Gedanken zu folgen, erlebe ich diese Hölle, die ich Erinnerung nenne, immer und immer wieder. In Augenblicken, die ungünstiger und überraschender nicht sein könnten. So plötzlich, dass es mich überwältigt und mitreißt. Mich zerreißt. Ist es nun so, dass es anfängt, mein Wesen, das, was ich mein Ich nenne, so einzunehmen, dass ich ängstlich darum bange, mich selbst zu verlieren. Wenn ich das nicht längst habe?

Nach allem, was ich bisher erlebt habe, welch Reise zu mir selbst ich unternehmen durfte, hatte ich mit fester Sicherheit behaupten können, dass mir so etwas nicht mehr widerfahren könne. Schließlich habe ich den Bund zwischen Seele und Körper längst gefestigt. Wie also ist es möglich, dass diese eine, banal winzig erscheinende Komponente scheinbar all die Arbeit, die Selbsterkenntnis und Überzeugungen die ich über mich haeb, so infrage stellen kann? Ganz so, als wären all die Jahre harter Arbeit an mir umsonst gewesen?

Ich finde es so erschreckend, dass mein Leben von etwas bestimmt wird, das in einer nicht mehr existierenden Vergangenheit im Außen geschehen ist und mich nun im Jetzt mein ganzes System infiltriert. Ich kann es nicht kontrollieren, nicht verstehen, was da mit mir passiert. Denn egal, was ich tue – ob ich es zulasse, mir erlaube zu erleben, zu fühlen und zu sehen, was immer ich durchlebe; ob ich meine Gedanken die Kontrolle übernehmen lasse; ob ich es krampfhaft verdränge, mir verbiete zu folgen, mich durch Ablenkungen auf andere Gedanken bringe oder mich Außenstehenden öffne – es bleibt. Es wird weniger; weniger einnehmend und regelmäßig, und doch hat es sich eingenistet.

Schon oft stand ich an der Grenze, verrückt zu werden. Aufzugeben und es geschehen zu lassen, was auch immer passieren möge, wenn ich den Widerstand aufgebe. Ich aufhöre, dagegen an zu kämpfen, denn meine Kräfte lassen nach. Mein Widerstand von mal zu mal geringer. Die Grenze verschiebt sich und ich habe Angst davor, was auch immer sich hinter ihr verbergen mag.

Doch ist der jetzige Zustand besser als das, was passieren würde, wenn ich Raum dafür schaffte, für dessen Platz in meinem Leben mein Verstand seit so langer Zeit kämpft?

Ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß, ist, dass es mich unfassbar anstrengt. Es kostet mich so viel. Jeden Tag aufs Neue!

Ich würde alles dafür geben, es zu eliminieren! Den roten Knopf zu finden, der alles auslöscht, was so belastend über meinem Kopf schwebt und mir stechende Kopfschmerzen bereitet, noch bevor ich komplett durchdrehe. Und doch gibt es nichts, was ich tun kann.

Denn ich bin machtlos.

Machtlos gegen mein eigenes Selbst.

Und so sehr ich mir diesen roten Knopf herbei wünsche, weiß ich doch das es diesen nicht gibt.

Und vielleicht besteht der Ausweg auch gar nicht darin, alles zu löschen.
Vielleicht besteht er darin, mich nicht mehr gegen das zu stellen, was ohnehin in mir lebt?

Vielleicht ist es kein Feind, den ich bekämpfen muss, sondern ein Teil von mir, der gesehen werden will.

Und vielleicht verliere ich meinen Verstand nicht, wenn ich aufhöre zu kämpfen –
sondern finde etwas, das stiller, ehrlicher und näher an mir ist als alles, was ich bisher versucht habe, fest zu halten?

Wir werden sehen, denn nur die Zeit Selbst vermag Antwort auf fragen zu liefern, die ich mir Heute noch stelle.

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