08.03.2026
Es ist für mich ein unfassbar leidliches Thema: Beziehungen.
Ich frage mich oft, wie es sein kann, dass so viele Menschen da draußen sich scheinbar mühelos von einer in die nächste Partnerschaft katapultieren und nach wenigen Monaten der Trennung schon wieder in jemand Neues verliebt sind.
Ich für meinen Teil erlebe allein bei dem bloßen Gedanken an das Bekenntnis „Du bist meins, ich bin deins“ eine ausgewachsene Panikattacke. Und doch finde ich mich gerade – nach Jahren des vehementen Boykottierens des klassisch gesellschaftlich etablierten Beziehungsmodells „Monogamie“ – in etwas wieder, das stark in diese Richtung zu gehen scheint, wenn das nicht sogar schon zutrifft.
Aber ich halte nichts von Labels und lasse mich ungern in ein mir vorgegebenes Konstrukt zwängen, nur damit andere Menschen wissen, wo sie mich einzuordnen haben. Denn für mich sind zwischenmenschliche Beziehungen – sei es familiär, freundschaftlich oder in diesem Fall einer Partnerschaft – im allgemeinen unfassbar schwer zu greifen.
Familie?
Gibt einem einen Haufen an Altballast aus Generationen mit auf den Weg mit die man erst mal bearbeiten und verarbeiten muss, jedoch teile ich mir ab einem gewissen Alter ja kein Bett mehr mit ihr und bin dementsprechend früher oder später von dieser Bürde Freigesprochen…
Freundschaft?
Gut – geh so tief, wie man entscheidet, dass sie gehen soll und welche Art von Freundschaften man pflegen möchte…
Aber bei einer Partnerschaft? Da scheint es essenziell zu sein, sich zu öffnen, zu kommunizieren und einander wirklich zu verstehen. Sich gegenseitig aus der Komfortzone zu triggern und ständig an frühkindlichen Traumata sowie an all den Päckchen zu arbeiten, die einem durch die Familie mit in alle weiteren Beziehungen mitgeben wurde.
Man könnte hier schön Miranda aus Sex and the City zitieren:
Eine Beziehung ist zwar kein Job – aber Arbeit ist sie trotzdem.
Ich sage nicht, dass Familie und Freunde keine Arbeit sind, um gottes willen das würde ich mir nie anmaßen. Jedoch lebe ich seit 25 Jahren mit meiner Familie und mit vielen meiner Freunde über ein Jahrzehnt. Meinen Partner aber kenne ich erst seit einem Jahr, was bedeutet, dass wir gerade ganz am Anfang unserer Reise stehen und genau hier ist einiges was aufgeräumt werden möchte.
Ich finde es wirklich herausfordernd, jemanden so nahe an mich heranzulassen. Mich so weit zu öffnen, dass Verständnis und Akzeptanz auf tieferer Ebenen möglich sind. Ich meine: “Bin ich die Einzige, die tagtäglich mit ihren Dämonen tanzt und doch nicht weiß, wie sie diese ihrem Partner vorstellen soll?”
Manche meiner destruktiven Glaubenssätze, frühkindlichen Traumata und erlernten Coping-Mechanismen verstehe noch nicht einmal ich selbst. Wie soll ein Außenstehender diese greifen können? Wie kann ich jemanden meine innere Welt besser greifbar machen wenn ich selbst nicht greifen kann, was in mir vor geht?
Auf kurz oder lang musste ich aber feststellen, dass ohne die Offenlegung meiner lange sehr gut gehüteten Schattenseiten und tief in mir vergrabenen Themen keine ehrliche Verbindung möglich ist.
Keine echte Bindung.
Und zugleich macht es mir eine unheimliche Angst, Gedanken, Gefühle und Emotionen einem Menschen so ungefiltert zu präsentieren, dass ich – bildlich gesprochen – meine Hosen vor ihm herunterlasse und mich in meiner Ganzheit offenbare.
Ich habe mich lange davor gedrückt, mich auf diese Weise zeigen zu müssen. Es ist eben einfacher, Beziehungen oberflächlich zu halten. Keine echte Bindung einzugehen und auf körperlicher Ebene zu verweilen, selbst wenn unausweichlich Gefühle entstanden sind. Denn sobald man längere Zeit mit einer Person verbringt und mit ihr intim wird, entsteht immer ein Art der Verbindung.
Doch sich diese Emotionen wirklich eingestehen?
Nein.
Ich wäre damals lieber an meinen Worten erstickt als sie auszusprechen.
Es ist eben bequemer, zu leugnen, was man fühlt, als sich wirklich auf jemanden einzulassen – und am Ende vielleicht enttäuscht zu werden. Nur kann so nie echte Resonanz entstehen. Keine wahre Bindung.
Also muss man wohl in den sauren Apfel beißen und wagen, verletzt zu werden um zu erfahren, wie sich wahre Liebe anfühlen könnte.
Ist es doch so, dass die Angst vor etwas Ungewissen uns in einer gewohnten Realität gefangen hält, die zwar bequem erscheint, uns aber gleichzeitig von all den Möglichkeiten und von all der Schönheit des Lebens freihält, die uns erwarten könnte, wenn wir den Sprung ins kalte Wasser wagen.
Ich habe diesen Sprung gewagt.
Immer und immer wieder.
Und mit jedem Sprung wächst ein kleines Stück Mut. Nicht unbedingt die Gewissheit, dass alles rosig und wie im Märchen für mich ausgehen wird – aber die Bereitschaft, es trotzdem zu versuchen.
Denn wer weiß schon, was morgen ist?
Alles, was wir wirklich haben, ist dieser eine Moment der Entscheidung und heute habe ich mich erneut entschieden; mich für den Sprung ins Ungewisse entschieden.
Für Beziehung – nicht nur zu einem anderen Menschen, sondern auch zu mir selbst.
Denn oft sind es gerade die Menschen, die uns am nächsten kommen, die uns auch ein Stück näher zu unserem eigenen Inneren führen. Sie spiegeln uns Seiten, die wir vielleicht lange übersehen oder tief in uns verborgen gehalten haben. Und mit jeder neuen Begegnung, jeder Herausforderung und jedem mutigen Schritt entdecke ich etwas, das vorher noch im Verborgenen lag.
Vielleicht ist genau das der eigentliche Sinn von Beziehung:
“Nicht nur einander zu finden –
sondern auch sich selbst”